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Unsere Stadt – Heimat für viele

  • 14 Menschen, die den Gottesdienst mitgestalteten
    Mitwirkende am Gottesdienst aus der dänischen Kirche, der Nordkirche, aus Estland und aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.

Rendsburg – In der vollbesetzten Christkirche in Rendsburg feierte am Sonntagmorgen (9.6.) eine Festgemeinde am Tag der Europawahl den Geburtstag der Stadt. Gestaltet wurde der Gottesdienst mit hochrangigen Geistlichen aus Deutschland, Dänemark und Estland sowie aus der ökumenischen Gemeinschaft.

Pastor Rainer Karstens erinnerte daran, dass die Stadt schon immer Heimat für viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Regionen, sozialen Schichten und Arbeitsbereichen war: „Sie wurden hier heimisch und gaben wichtige Anstöße für die Stadtentwicklung, ihre Spuren sind auch hier in der Christkirche sichtbar.“ Mit Blick auf die Tatsache, dass heute Menschen aus über 120 Nationen in Rendsburg wohnen, fragte er: „Wie können sie hier heimisch werden und unsere Stadt als Heimat begreifen?“

Was ist Heimat?

Vier Männer antworteten auf die Frage, was sie mit dem Begriff Heimat verbinden. Torsten Ipsen von der Neuapostolischen Kirche appellierte an die Festgemeinde, in der Begegnung mit den Menschen das Heimatgefühl zu stärken, indem allen mit Achtung, Liebe und Respekt begegnet wird. „Suchet der Stadt Bestes“ ist für Matthias Flasskamp von der Gemeinschaft in der Evangelischen Kirche „ein gutes Bestreben, den Himmel auf Erden näher zu bringen.“ Für Stadtpräsident Thomas Krabbes kann Heimat da sein, „wo ich meinen Glauben, meine inneren Überzeugungen und Einstellungen leben kann, ohne mit Normen und Regeln zu kollidieren. Kurz: Da, wo die Gesellschaft und ich offen und einander zugewandt sind.“ Bischof Tiit Salumäe aus Estland sieht die estnische Kirche in der Verantwortung: „Die Kirche in Estland hat die Tradition der Heimat durch unterschiedliche Zeiten getragen, in uns leben die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Heimat bleibt immer in meinem Herzen.“

Zwei Bischöfinnen predigten

Für die Predigt waren in diesem Gottesdienst zwei Bischöfinnen zuständig, die sich die Zeit teilten. Zunächst predigte die dänische Bischöfin Marianne Christiansen in leidlich gutem Deutsch und freute sich sehr über das so verbindende Motto: „Man hätte auch ‚Unsere Stadt - nur für uns‘ oder ‚Unsere Stadt – für die echten Rendsburger wählen können‘. Aber so öffnet das Motto die Augen und Ohren für die Anderen, die Vielen, die nicht ‚ich‘ und ‚wir‘ sind, mit anderen Geschichten als meine und unsere.“ Ein Zankapfel war Rendsburg im Laufe der Geschichte, erinnerte sie, aber auch ein Treffpunkt und Heimat für Viele.

In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen

„Stadt bedeutet, dass sich Menschen nahe beieinander niederlassen, was zu einer Menge Ärger führen kann. Aber Stadt ist immer auch der Traum, dass Menschen in Frieden zusammenleben können.“ Sie beschrieb eine Vision des Reich Gottes als Wohnungskomplex, vielleicht auch Hochhaus, als Heim für die Vielen – denn Jesus sagte zu seinen Jüngern „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“. Und dort könne das Wunder geschehen, so Christiansen weiter: „Wir sind unvollkommene Wesen, die sich viel ausdenken können, um sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Aber wir sind auch von Gott geliebt. Das Wunder kann geschehen, wenn wir wirklich mit unseren Unterschieden leben können und uns als Kinder desselben Gottes sehen können, gleichermaßen würdig.“

Städte sind mehr als Zweckgemeinschaften

Daran schloss die Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein Nora Steen an: „Wir sind nicht nur Nutznießer dieser Gemeinschaft, wir sind Mitbürgerinnen und Mitbewohner, wir sind alle verantwortlich dafür, an diesem Bau mitzuwirken und ihr zu gestalten.“ Sie trug einen Abschnitt aus einer Schrift Martin Luthers aus dem Jahre 1519 vor, die sich eigentlich auf das Abendmahl bezog, aber doch mehr sei: „Eine ganz moderne Beschreibung des Sozialstaates, schon im Mittelalter! Damals wie heute ist klar: Eine Gemeinschaft braucht einander und steht einander bei – im Guten und im Bösen. Wenn wir unsere Städte nur als Zweckgemeinschaft verstehen, werden wir schnell merken, dass ohne Solidarität etwas Entscheidendes fehlt. Die Art, wie wir leben und miteinander umgehen sagt etwas aus über die Güte unserer Stadt!“ Zuletzt weitete sie den Blick darauf, dass auch die europäische Gemeinschaft in diesem Sinne gesehen werden sollte und rief dazu auf, zur Wahl zu gehen, denn: „Heute ist auch nach dem Festumzug noch Zeit“.

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